Wie integriert Karima Achtsamkeit in ihren Familien-Alltag?

Interview mit Karima Stockmann - Teil 2

Karima Stockmann ist Achtsamkeitsexpertin, Speakerin, Lebensfreude-Bloggerin und Mama. Ihr neues Mitmachbuch „Ich bin ganz bei mir selbst“ ist ein inspirierender Leitfaden für  mehr Lebensfreude und Achtsamkeit im eigenen Alltag. Denn wer selbst glücklich ist, kann dies auch an Andere weitergeben.

1. Karimas kleine Pausen

Liebe Karima, wie sehen deine kleinen Pausen aktuell aus? Die letzten Wochen waren sehr ereignisreich. Neben deiner Buchveröffentlichung bist du auch Mama einer kleinen Tochter und noch dazu privat umgezogen.
 
Ich hatte schon vor einiger Zeit einen Kurztrip mit meinen Freundinnen nach Barcelona geplant, eine kleine Mama-Auszeit. Leider fiel der Trip nun genau in diese turbulente Zeit. Nach kurzem Überlegen habe ich mich aber trotzdem für den Ausflug entschieden. Solche kurzen Auszeiten geben mir viel neue Kraft und helfen anstehende Aufgaben leichter zu bewältigen - auch wenn das Auspacken der Umzugskartons dann etwas länger dauert. Es lohnt sich!
 
Auch im Alltag versuche ich immer wieder Pausen einzubauen. Kleine Rituale, die zur Gewohnheit werden, und mir Halt geben - gerade in nicht alltäglichen Situationen, wie einem Umzug. Zum Beispiel das Achtsame ins Bett bringen meiner Tochter. Ich singe ihr etwas vor, spüre und rieche sie bewusst und bin einfach dankbar dafür, dass ich sie habe. Natürlich gibt es auch Tage, an denen sie nicht gerne ins Bett geht oder immer wieder aufwacht, Abende an denen ich noch Umzugskisten auspacken wollte oder Zeit für mich eingeplant hatte. Wenn ich merke, dass ich dann innerlich ungeduldig werde, versuche ich diese zusätzliche Zeit mit meiner Tochter noch bewusster wahrzunehmen und gleich als gemeinsame Achtsamkeitsübung zu nutzen.
 
Außerdem nehme ich mir jeden Morgen 10 Minuten Zeit für mich, zum Beispiel für eine meditative Übung. Mit dieser positiven Ausrichtung starte ich dann kraftvoller in den Tag. Viele sparen sich diese Zeit lieber. Aber mir gehen die Aufgaben des Tages so leichter von der Hand und ich habe mehr Freude dabei.
 

2. Karimas Rituale

Wie gut ließen sich deine bisherigen Rituale in dein Mama-Sein integrieren? Oder haben sie sich verändert, seitdem du ein Kind hast?
 
Die Rituale haben sich verändert, auf jeden Fall. Denn neue Lebenssituationen erfordern ganz bewusst neue Rituale und Gewohnheiten. Diese müssen Schritt für Schritt etabliert werden. Das braucht Zeit. Da darf man auch nicht zu streng mit sich selbst sein, wenn am Anfang nicht gleich alles klappt.
 
Mein Morgenritual habe ich beispielsweise verändert. Anfangs habe ich mir keinen Wecker gestellt. Mein Baby weckt mich ja, dachte ich. Lieber schlafe ich noch länger. Mittlerweile stelle ich mir einen Wecker, um ein paar ruhige Momente für mich genießen zu können und mich für den Tag zu sammeln. In dieser Zeit besinne ich mich auch immer sehr gern auf die Dinge, für die ich dankbar bin.

3. Karimas Tipp für mehr ICH-Zeit

Vielen Mamas fällt es schwer, sich Zeit für persönliche Dinge zu nehmen. Hast du einen Tipp für sie, wie es gelingt etwas ICH-Zeit in den Alltag zu integrieren?

In meinen Workshops arbeite ich gern mit den verschiedenen Lebensrollen einer Person. Es hilft, sich seiner Lebensrollen bewusst zu werden, also zum Beispiel Partnerin, Kollegin, Nachbarin, Freundin und und und. Kommt eine große Rolle wie das Mutter-Sein dazu, macht es Sinn, zu überlegen, wie ich meine Zeit einteilen möchte. Wem oder was möchte ich meine verbleibende Zeit widmen?
 
Eine tolle Möglichkeit ist es auch, Dinge zu kombinieren und sich zu überlegen, welche Tätigkeiten und Aufgaben sich gut vereinbaren lassen. Das eigene Sportprogramm und die Zeit mit dem Kind zum Beispiel. Die Lösung für mich lautet meine Tochter mit dem Fahrrad zur Kinderbetreuung zu bringen. Somit kann ich beide Tätigkeiten sinnvoll vereinen.

Oder der Besuch auf dem Spielplatz. Man kann schon den Weg dorthin für eine Runde Achtsamkeitsmeditation nutzen und gemeinsam alles ganz bewusst erkunden: den Klang der eigenen Schritte, die Farben der Blätter, die kühle Oberfläche eines Steins. Kinder sind ja eh Weltmeister im achtsam sein. Davon darf man sich ruhig immer wieder anstecken lassen. Denn wie heißt es so schön, der Weg ist das Ziel. Und eben nicht das schnelle Ankommen.

4. Karimas Tipp für berufstätige Mütter

Was rätst du Müttern, die gerne wieder arbeiten möchten, dabei aber ein schlechtes Gewissen haben?
 
Lebensrollen sind immer mit gewissen Erwartungen und Wertevorstellungen verknüpft, mit den eigenen, aber auch mit denen der Gesellschaft. Nur weil die Gesellschaft oder die Schwiegermutter sagt, eine Mutter sollte die ersten drei Lebensjahre ihres Kindes zuhause bleiben, muss das nicht die Haltung jeder Frau sein, die ein Kind bekommt.

Wenn dir beispielsweise deine Arbeit wichtig ist und du dadurch ausgeglichener bist, brauchst du kein schlechtes Gewissen haben. Du tust deinem Kind doch sogar etwas Gutes, wenn du so mehr Ruhe und Zufriedenheit in eurer gemeinsamen Zeit hast. Mütter dürfen und sollten Hilfe annehmen, damit die eigenen Bedürfnisse nicht jahrelang viel zu kurz kommen.

Vielen Dank für diese nützlichen Tipps, Karima!

Viele Weitere sowie jede Menge praktische Anti-Stress- und Achtsamkeits-Übungen findet ihr im Buch „Ich bin ganz bei mir selbst“. Viel Spaß beim Lesen!

Die Autorin

Lisa hat die Zügel des Online Marketings fest in der Hand. Das Wohl der GROH-Website liegt ihr dabei sehr am Herzen. Mit ihrer Schwäche für lustige Sprüche, inspirierende Texte und liebevolle Designs ist sie genau richtig bei GROH. Mit ihrer guten Laune hat sie bisher noch jeden angesteckt. Sollte es mal still um sie werden, dann stimmt irgendetwas nicht. Aber still war es bei uns noch nie ;-) 

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